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Girl Power on Track – Vali Höll im Talk

2020 sollte DAS Jahr für sie werden. Nach Jahren der Dominanz bei den Downhill-Junioren stieg die junge Vali Höll (19 Jahre) zur Elite auf, wo sie gestandenen Profis wie Rachel Atherton und Tracay Hannah Paroli bieten wollte. Doch es sollte alles anders kommen. Wie sie sich von Verletzungen und dem Corona bedingten Rennstop erholte und 2021 auf einem neuen Bike durchstarten will, erfährst du im exklusiven Interview.

Wir sprachen mit einer gut gelaunten Vali bei ihrem ersten Bikepark-Tag in Frankreich. Kein Wunder, denn dieser Tag markierte den Restart, an dem es wieder so richtig ans Eingemachte ging. „Endlich wieder Biken“ freute sich Vali. Sie hat viele Monate damit verbracht, sich wieder langsam an die nötige Fitness heran zu kämpfen und hofft, dass ihr linker Knöchel hält. Ausgerechnet beim Heim-Rennen in Saalbach/Leogang hat sie sich im Vorjahr bei einem Sprung mehrere Bänder gerissen. Somit war der Tag unseres Interviews der Tag X, an dem zum ersten Mal wieder Downhill-Biken angesagt war.

Mountain Bike Holidays: Hallo Vali, schön dich wieder auf dem Bike zu sehen! Wie läuft die Saison-Vorbereitung nach der mehrmonatigen Verletzungspause – und wie hast du das mit Lernen für den Schulabschluss und all den anderen Dingen unter einen Hut bekommen?

Ja, ich habe meinen Abschluss letztes Jahr erfolgreich abgeschlossen und dann einen wirklich coolen Sommer gehabt. Die Vorbereitungen sind insgesamt gut gelaufen und meiner Verletzung geht´s auch wieder gut. Vor zwei Wochen habe ich meine letzte OP gehabt. Die musste auch sein, weil ich etwas verfrüht auf Madeira mit dem Bike unterwegs war und wieder Schmerzen hatte.

Ich hatte mir 2020 bei meiner ersten WM ja alle Bänder gerissen. Doch jetzt kann ich wieder richtig biken und bin positiv gestimmt für die Saison. Im Winter war ich relativ wenig im Park unterwegs. Also könnte der Start zunächst etwas holprig werden, aber ich muss mich ja nicht stressen, dass ich gleich vorne mitfahren muss. Natürlich insofern alle Rennen wie geplant stattfinden können.

Nach sechs Jahren bei YT (YoungTalent) fährst du nun für Trek – wie sehr freust du dich über die neue Partnerschaft und auf das neue Bike?

Es war ein großer Schritt, denn ich war wirklich ewig bei YT und hatte eine super Zeit. Ich brauchte einfach einen Tapetenwechsel und wollte das insgesamt noch seriöser angehen. Ich möchte so viel Unterstützung wie möglich in Anspruch nehmen von Leuten, die sich auskennen. Vom Bike-Setup zum Trackwalk über Linien-Wahl – da ist einfach die Expertise von Trek gefragt. Deren Ressourcen und Rennerfahrung muss ich maximal nutzen.

Wie groß ist die Freude auf die neue Saison und wie stehen die Chancen, dass es eine halbwegs „normale“ Saison wird?

Das ist wirklich schwierig zu sagen. Ich würde es natürlich voll feiern, wenn wir Rennen fahren können, auch wenn es wahrscheinlich keine Zuschauer geben wird. Ich wäre so dankbar, wieder den Wettbewerb zu spüren. Aber ja, an der Gesamtsituation kann man ja nicht viel ändern.

Bleiben wir beim Thema 2020: Da schafft man den Sprung von den Junioren zur Elite und freut sich endlich mit der Weltelite um die Top-Platzierungen zu kämpfen – und dann kommt es ganz anders. Wie geht man damit um?

Ich wollte eigentlich erst reinschnuppern und hab mir nie selbst den Druck gemacht, ganz vorne mitfahren zu müssen. Auch wenn meine Zeiten der Junioren-Klasse dafür sprachen, dass das theoretisch machbar wäre. Ich gehe eigentlich nie mit der Einstellung rein, dass ich Erste werde, sondern versuche mir realistische Ziele zu setzen. Ich kann sowieso nicht kontrollieren, was die anderen machen, sondern mich nur auf mich konzentrieren. Ich hoffe deshalb, dass ich diesen Sport auch noch lange ausüben kann, weil es einfach Spaß macht. Auch die Motivation beizubehalten, wie das beispielsweise Veteranen wie Greg Minaar – er ist mittlerweile 39 – machen. Das wäre wirklich cool!

Das Thema Ladies & Mountainbiken wächst immer mehr. Hast du eine Message für die Mädels da draußen, die sich auch für das Thema interessieren? Immerhin war Mountainbiken ja lange eine fast reine Männerdomäne …

(lacht) Hier bin ich vielleicht ein untypisches Beispiel, weil ich extrem oft und gern mit Jungs gefahren bin! Da es früher nicht viele Mädels in diesem Sport gab, war ich meistens mit Jungs unterwegs und habe mir viel abgeschaut. Davon habe ich definitiv profitiert, würde ich sagen.

Ich finde es aber voll cool, dass immer mehr Mädels dabei sind, das Mountainbike für sich zu entdecken. Wenn früher bei Rennen zwei Mädels bei 40 Jungs aufkreuzten, ist es schön zu sehen, dass sich dieses Verhältnis jetzt ändert – da geht mir regelrecht das Herz auf. Allein schon der Fakt, dass man eine Gruppe Mädels im Bikepark shredden sieht, stimmt mich positiv für die Zukunft. 

Vielen Dank für das Interview!

Zur Person:

Name: Valentina „Vali“ Höll
Geboren: 11. Dezember 2001 (19 Jahre)
Homebase: Saalbach-Hinterglemm
Disziplin: Downhill
Erstes Rennen: Mit 3 Jahren

Photos: Boris Beyer / RockShox

Daniel Wakeford

Der Autor ist Bike-Experte & Buchstaben Jongleur

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