Allgemein Infos aus den Regionen MTB News

Grenzübergreifend biken in der 3-Länder Region Nauders – Reschenpass

Mountainbiken in Nauders am Reschenpass

Österreich, Italien, Schweiz … und Nauders mittendrin. Das Dreiländereck bietet kulturell eine Diversität, wie sie wohl kein anderer Ort in den Alpen zu übertreffen vermag. So verschieden die Ländereien sein mögen, sie scheinen alle drei die immense Leidenschaft fürs Biken zu teilen. Diese Leidenschaft kommt nicht von ungefähr. Verfolgt man die Entstehung der MTB-Szene in der Region zurück bis zu den Wurzeln, stößt man unweigerlich auf die Ortschaft Nauders. Heute ist Nauders am Reschenpass in der Enduro-und AllMountain-Szene längst ein Begriff. Doch angefangen hat damals alles mit einem Downhill-Rennen auf Schnee und Eis.

Text: BIKEKULTUR 2019 / WOM Medien
Fotos: WOM Medien

Neben der Bergkastel-Talstation in Nauders steht eine ausrangierte Schneekanone aus dem Jahre 1985. „Erste Schneekanone in Nauders“, steht auf dem Schild geschrieben. Diese Beschneiungsmaschine eines amerikanischen Herstellers soll sogar die erste in der Region gewesen sein. Ebenso steht auf dem Schild, dass sich dessen Design von einer heutigen Schneekanone kaum unterscheide. Stünde anstelle der Schneekanone ein Mountainbike, könnten zu beiden Geschichten einige Parallelen gezogen werden: Das Mountainbike stammt auch aus Amerika. Okay, über die Veränderung des Designs lässt sich vermutlich streiten. Erstes Mountainbike in Nauders? Wäre auch möglich. Erstes Mountainbike in der Region? Absolut! Mit dem Snow-Downhill in Nauders wurden zwischen 1995 und 2005 die ersten Downhill-Rennen in der Region ausgetragen. Ironischerweise gibt es auch hier eine Parallele zur Schneekanonen-Story, denn das Downhill-Rennen fand im Winter, wie der Name verrät, auf Schnee und Eis statt. Zum ersten Mal wurden die Massen angezogen. Die Szene boomte regelrecht. Sämtliche Bikemagazine berichteten damals über das Event. Andere Orte wie Scuol oder Serfaus entwickelten ihre eigenen Szenen und der Mountainbike-Tourismus in den Alpenregionen nahm langsam, aber sicher Form an.

Mountainbiken in Nauders am Reschenpass

Harry Ploner, Besitzer des Alpen-Comfort-Hotels Central in Nauders, ist Biker der ersten Stunde und erzählt uns, wie es damals abgelaufen ist. Ploner erkannte das Potenzial und erarbeitete Pläne und Konzepte, um Nauders im Sommer für Mountainbike-Touristen attraktiv zu machen. Der von ihm ins Leben gerufene Snow-Downhill wurde zu einer Kultveranstaltung. Daraus entwickelten sich gut besuchte Bikecamps … die Zeichen, Nauders zu einer MTB-Destination zu machen, standen also gut. Aus Zeitgründen entschloss sich Harry später, sein Amt abzugeben, was dazu führte, dass der Snow-Downhill abgeschafft wurde und für eine ganze Weile passierte nichts mehr.

Es war schwierig für die drei Akteure – Gemeinde, Bergbahn und Tourismus –, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Glücklicherweise brachte ein Generationenwechsel in der Gemeinde frischen Wind in das Thema. Die Regionen rund um Nauders haben in den letzten Jahren auf den MTB-Tourismus gesetzt und die gesäten Samen tragen mittlerweile große Früchte. Das hatten die „neuen“ Jungen erkannt und rollten die Pläne, welche Harry Ploner 20 Jahre zuvor entwickelt hatte, wieder auf.

„Der beste Motivator im Tourismus ist der Neid“, sagt uns Harry, betont aber, dass das nicht für Nauders gegolten habe. Nachdem der Snow-Downhill abgeschafft worden war, sahen die Nachbarregionen, welchen Erfolg so ein Event mit sich bringen konnte und nutzten schnell das Potenzial. Heute bietet Nauders ein 2.200 Kilometer langes Trailnetz mit 80.000 Höhenmetern an.

3 Länder Enduro Trails Mountainbiker in Nauders am Reschenpass MTB Trails in Nauders

Trailregion statt Bikeparkregion

Trotzdem unterscheidet sich Nauders von anderen Regionen in einem Punkt klar: Es will keine Bikeparkregion sein, sondern eine Trailregion bleiben. Bewusst werden reine Downhiller nicht angesprochen, sondern die breite Masse. Eine Mischung aus Flow-, Enduro- und Singletrails bietet einerseits Action für jüngere Generationen, aber auch gemütliche Touren für diejeningen, die es ruhiger angehen lassen möchten. In den letzten sechs bis sieben Jahren entstanden sechs bis sieben neue Trails. Auf beiden Seiten des Tales, dem Plamort Plateau und rund um den Mutzkopf werden die Trails mittlerweile geshaped und instand gehalten. Auf der österreichischen Seite sind zwei Leute permanent angestellt, auf der italienischen sind es drei bis vier. Finanziert wird das Ganze von den Bergbahnen selbst, die erkannt haben, dass das Shutteln via Bergbahn im Vergleich zum Bus-Shuttle ökologischer ist und im Endeffekt gewinnbringend.

Nauders am Reschenpass

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.