Ein Urlaubs-Experiment
Wir sind auf dem Weg gen Süden, wie so viele andere auch an diesem Samstag, dem Beginn der Pfi ngstferien. Zäher Verkehr um München, ebenso bei Innsbruck und über den Brenner sieht es auch nicht besser aus. Die Stimmung ist gedrückt, doch das liegt nicht allein am immer später werdenden Ankunftszeitpunkt, den uns das Navi anzeigt. „Warum nicht ans Meer?“, lautete die nicht ganz unberechtigte Frage der Kinder, als wir das diesjährige Reiseziel bekannt gaben, die Schulkameraden fahren schließlich grundsätzlich zum Planschen in den sonnigen Süden. Nein, diesmal nicht. Obereggen lautet das Ziel, ein kleiner Urlaubsort in Südtirol, genauer gesagt in der Region rund um den berühmten Rosengarten, oder wie die Italiener sagen Latemar. Ein recht bekanntes Felsmassiv der Dolomiten gab diesem Gebiet also den Namen, was auch unter uns Erwachsenen anfängliche Zweifel weckte: Radfahren im Hochgebirge, sind wir dafür fit genug? Keine Frage, ungewöhnlich ist die Kombination des Hotel Maria in Obereggen aus Familien- und Biker-Unterkunft gerade in dieser Höhenlage durchaus.
Beim Verlassen der Autobahn kurz vor Bozen verstärkt sich die Skepsis dann eher, als das man sich selbst beruhigen würde. Eine enge Passstraße windet sich zwischen den Dolomitengipfeln nach oben, teils durch Tunnel und regelmäßig über zehn Prozent steil. Hier soll man also familientaugliche Radstrecken finden? Na, das kann ja heiter werden. Erst kurz vor Obereggen, als schon die ersten Skilifte zu sehen sind, legt sich zumindest die Befürchtung, Pfingsten in einem dunklen Tal verbringen zu müssen. Hoch droben über der Straße zum Lavazé-Pass und noch viel weiter weg von der Brenner-Autobahn öffnet sich plötzlich ein Hochplateau mit grünen Wiesen und sanft abfallenden Hügeln, eingerahmt von den Dolomiten im Süden und dem weit entfernten Alpenhauptkamm im Norden. Ein kleines Paradies, wie man es bei der flüchtigen Vorbeifahrt auf dem Weg in den „üblichen“ Sommerurlaub hier kaum vermuten würde.
Unser Hotel thront zu allem Überfluss auch noch über den Dingen, mit einem herrlichen Ausblick. Spätestens als uns Hausherr Christoph Kofler dann noch die Annehmlichkeiten im Wellness-Bereich erklärt, scheinen die kritischen Worte des Nachwuchses zum ersten Mal zu verstummen. Ein Schwimmbad ist schließlich kein schlechter Ersatz für das Meer, zumal die Sonne auf der anschließenden Terrasse fast ebenso kräftig scheint wie am Strand von Rimini. Hier lässt sich eine richtig gute Zeit verbringen, das ist uns schnell klar. ...
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