Südtirol ist traditionell ein beliebtes Ziel für Wanderer und Bergsteiger. Doch nun tut sich auch etwas für Bergradler in der Region südlich des Brenners: Ob genussvoll oder sportlich orientiert - Biker finden zwischen Reschenpass und Dolomiten ein attraktives Revier.
Fast 20 Jahre ist es her, dass der Eppaner Oliver Renzler einen ersten Mountainbikeführer für Südtirol veröffentlichte. Auswärtigen Bikern präsentiert sich zwar eine grandiose Bergregion mit charakterstarken Gebirgszügen, andererseits fanden sie kaum Infrastruktur vor, und die Tourismusbranche beachtete sie kaum. Bergradfahrer waren zumeist nicht mehr als geduldete Durchreisende auf Alpenüberquerungen.
Doch mit dem anhaltenden Boom der Transalp-Fahrer wurde der Druck auf Südtirol immer stärker. Fast parallel entstanden an verschiedenen Orten private Initiativen, die dem bikenden Gast ein Angebot zur Verfügung stellen wollten: geführte Touren, ein auf die Zielgruppe ausgerichtetes Unterkunftsangebot, Literatur und Karten oder das Bemühen, Biketouren zu entwickeln, zu katalogisieren und zu publizieren. Auch Renzlers Ortsnachbar Ignaz Zublasing aus Frangart gehörte zum Kreis jener Pioniere: Seine unter dem Namen "Fun Bike" publizierten Tourenblätter waren in den 1990-ern die ersten echten Bikekarten, während große Kartenverlage bis heute noch nicht erkennen möchten, dass die Südtiroler Berge nicht nur von rot gezeichneten Wanderwegen zusammengehalten werden.
Doch nun soll sich einiges ändern. Immer mehr der jungen Südtiroler Biker verstärken den Druck auf die Behörden, und seit mit Thomas Widmann ein Landesrat für Tourismus im Amt ist, der auch auf dem Rad eine gute Figur abgibt, scheint man lange Versäumtes in großen Schritten nachholen zu wollen. Seit 2007 ist in Südtirol ein sechsköpfiges "Bike Competence Center" am Werk, das sich vornehmlich aus jüngeren Mountainbikern zusammensetzt und die Ärmel hochkrempelt.
"Think Tank" zum Thema Bike
Über zehn Jahre lang zeichnete der Vinschgauer Martin Gruber jede Biketour in weitem Umkreis seiner Heimat auf GPS auf und bot die Daten Hoteliers für deren Gäste an. Bei denen kam die Idee an. Grubers hartnäckige Vision vom "Mountainbikeland Südtirol" trägt nun endlich Früchte. Unter der Führung des staatlich geprüften Bergführers Tobias Fischnaller arbeitet er seit vergangenem Jahr im Kompetenzteam mit daran, ein landesweit gültiges Konzept für ein touristisch vermarktbares MTB-Angebot zu erstellen. Der sechsköpfige "Think Tank" wurde in der Erkenntnis gegründet, dass Südtirol nicht länger hinter den Nachbarn Tirol udn Trentino hintanstehen dürfe und ein eigenes Biketourismuskonzept benötige.
Marktanalysen, Umfragen und erhobene Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Das touristische Potenzial im Bike-Reisesektor ist alpen- und europaweit enorm, auf Südtirol entfällt aber bislang mit lediglich drei Prozent Radfahrer-Nächtigungen nur ein äußerst geringer Anteil des wirtschaftlichen Kuchens.
Die Entwicklung der MTB-Region Südtirol verfolgt nun das hochgesteckte Ziel "Schaffung der führenden MTB-Region Europas". Dazu gehört in einem ersten Schritt die "Bündelung von Kompetenzen", erläutert Tobias Fischnaller.
In jeder Region Südtirols, 15 an der Zahl, werden Ansprechpartner eingesetzt. Ämter und Institute sollen landesweit vernetzt und in die Projektentwicklung einbezogen werden. Die geforderten Standards erschließen unter anderem die Bereiche Infrastruktur, Unterkünfte, Transport, Wegequalität, Beschilderungen, Schulen, Anbieter, Ausbildung, Datensammlung, Tourendarstellung, Marketing, Werbung und Qualitätssicherung.
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